{"id":4463,"date":"2007-08-10T22:00:35","date_gmt":"2007-08-10T20:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/schager.servus.at\/?p=4463"},"modified":"2014-08-28T22:32:48","modified_gmt":"2014-08-28T20:32:48","slug":"martin-reiter-der-apfel-fallt-nicht-weit-vom-stamm-5-individualisten-spielen-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schager.servus.at\/?p=4463","title":{"rendered":"MARTIN REITER: Der Apfel f\u00e4llt nicht weit vom Stamm &#8211; 5 Individualisten spielen Familie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Apfel f\u00e4llt nicht weit vom Stamm &#8211; 5 Individualisten spielen Familie<\/strong><\/p>\n<p>\/ oder doch ? Es ist ein Frage der Perspektive, die Motte hat das Gef\u00fchl, der Apfel falle <!--more-->weit und lang &#8211; der Mensch glaubt zu wissen, dass der Fall des Apfels nicht sehr weit sei &#8211; die Frage &#8222;wohin&#8220; dieser Apfel f\u00e4llt und aufschl\u00e4gt, bleibt in den meisten F\u00e4llen unbeantwortet, obwohl dies doch sehr interessant w\u00e4re. Dieses Gedankenspiel wurschtelte sich durch meinen Kopf als ich die Ausstellung der Schagers ein zweites Mal besuchte. Die f\u00fcnf K\u00fcnstlerInnen haben den Blauen Salon im Kunsthaus Tacheles zu Berlin zuerst dekonstruiert und im Anschluss an diesen Akt neue Ecken und R\u00e4ume entwickelt, um dieselben mit 5 &#8211; 6* verschiedenen Ausstellungen zu f\u00fcllen. Allein die Dekonstruktion der bestehenden bzw. vorgefundenen Innnenarchitektur und der Aufbau der Arbeiten in neuem &#8222;Rahmen&#8220; lag in klassischer Performance-Tradition. Von Tr\u00e4nen \u00fcber Schweiss und Blut haben Valarie, Felix, Helga, Herbert und Ufuk Serbest sowie die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen des Tacheles der Zeit und dem Raum diese Schau abgerungen. Da f\u00e4llt nicht ein Apfel, sondern viele. Sie fallen auf &#8222;guten Grund&#8220; oder &#8222;aus gutem Grund&#8220;.<br \/>\nHelga Schagers Exponate sind zum einen Bilder, die konkrete Information tragen und zum Anderen eine Installation, die Gender, Utopie, Bewegung\/Movement und Signale thematisiert. Nicht platt und marktgef\u00e4llig, sondern trotzig subversiv. Der J\u00e4ger und Sammler wird sich freuen, der retro Kunstboheme wird sich provoziert f\u00fchlen.<br \/>\nHerbert Schagers Bilder sind Farb-Foto und Geschwindigkeitsbilder &#8211; &#8222;die Wand fetzt&#8220; &#8211; ein ganzer Film in einem Standbild. Wirklichkeitstextur und Infoschaum, Herbert Schager schafft es spielend \u00d6l auf Leinwand zu umgehen und trotzdem, eine griffige haptisch erfahrbare Oberfl\u00e4che zur Abstrahlung seiner Sicht der Dinge zu generieren. Er zeigt den BetrachterInnen einen Teil seines Lebens und stellt dies mutig zur Diskussion. Seine &#8222;H\u00e4ngematten Installation&#8220; zwingt die Zuseher zu Einsamkeit und Video, nur alleine k\u00f6nnen seine Filme via HMD** betrachtet werden &#8211; ob das Abh\u00e4ngen in einer H\u00e4ngematte Kritik an gesellschaftlichen Unterhaltungsgewohnheiten ist oder nicht, bleibt dem Publikum \u00fcberlassen.<br \/>\nUfuk Serbests Installationen sind interaktiv, multimedial und verwirrend &#8211; die Besucher spielen mit Ihnen, suchen mehr als einmal Dinge, die Serbest nirgends zeigt oder anrei\u00dft, die aber durch verwendete Materialien und Programme unterstellt werden. So wendet sich das Blatt f\u00fcr die Betrachter und sie werden Elemente in Serbests Anordnungen und Aufbauten. Er hat in seinen Installationen den &#8222;b\u00f6sen Blick&#8220; als pupert\u00e4ren Schwachsinn abgeschafft und den schiefen\/schr\u00e4gen Blick als emanzipatorisch aufgekl\u00e4rten Akt f\u00fcr die Kunst erschlossen.<br \/>\nValarie Schager nimmt die Besucher in die Pflicht, jeder und jede kann &#8211; soll &#8211; muss sich &#8222;das Bild selber machen&#8220;. Bei zwei ihrer Arbeiten ist das Tafelbild unterteilt in viele kleine Einheiten. Verspielt dr\u00e4ngen sich die gemalten Kleinode aneinander, sie k\u00f6nnen verschoben werden und ergeben so immer wieder neuen Inhalt. Ein Trickfilm zum Anfassen, der ohne Film,- Schnitt- und Projektionstechnik auskommt. Valarie und Felix Schager haben ihr &#8222;Sehen&#8220; von den Eltern \u00fcbernommen, wenn es Meme (also letztlich die Speicherung von Erinnerung\/Information in einzelnen Zellen) geben w\u00fcrde, w\u00e4ren Valarie und Felix Schager der Beweis daf\u00fcr. Die Bilder von Felix Schager arbeiten mit Textfragmenten und \u00fcberwinden die Zeit von der echten Kinderzeichnung zum tats\u00e4chlichen k\u00fcnstlerischen Werk mittels dreier Arbeiten anschaulich, kompromisslos und vor allem schnell. So wie die Wand des Vaters fetzt, so rast die Videoinstallation von High Noon nach Scarface und zur\u00fcck. Dass Felix als MC Def Ill gemeinsam mit Fireclath (Valarie und Ufuk) und der Popspionage von Herbert Schager noch den musikalischen Boden f\u00fcr den Ausklang der Vernissage bereitete, war ein eindeutiges Zeichen f\u00fcr Familie, fernab von konservativen R\u00fcckschritten und mafi\u00f6sen anarchokapitalistischen Familienclanuntrieben. Auf Herbert Schagers Website findet sich die W\u00f6rtergruppe: <em>&#8222;&#8230;. \/wieviele sehen so wenig&#8220;<\/em>&#8230;.. <em>Der Apfel f\u00e4llt nicht weit vom Stamm<\/em> oder <em>&#8222;5 Individualisten spielen Familie&#8220;<\/em>, im blauen Salon des Tacheles zeigt aber &#8222;&#8230;&#8230;\/ einige sehen doch was&#8230;&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Ich danke den K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern im Namen Berlins und des Kunsthauses Tacheles f\u00fcr diese richtungsweisende Ausstellung.<br \/>\n<strong>Martin Reiter<\/strong> 24.08.2007 (Vorstandsmitglied Tacheles e.V.)<\/p>\n<p><em>* Ich bin immer noch nicht sicher, wie viele Ausstellungen das in Tats\u00e4chlichkeit sind&#8230;.<br \/>\n** Head Mounted Display<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Apfel f\u00e4llt nicht weit vom Stamm &#8211; 5 Individualisten spielen Familie \/ oder doch ? 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